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Silberfaden Geschichten von Johannes G. Weber
Kapitel 2 · Respekt · zum Vorlesen ab 8

Die Stadt der tausend Stimmen

Eine Geschichte über Respekt für Kinder, in einer Stadt, in der jeder wächst, der angesprochen wird.

  • WertRespekt
  • Vorlesezeitetwa 11 Minuten
  • Im MittelpunktThea, 11, und Sam, 6
Thea und Sam staunen in der Stadt der tausend Stimmen über einen fliegenden rosa Axolotl, Riesenschnecken und den Pfauendrachen.

Worum es geht

Jeden Morgen kehrt ein Mann vor der Bäckerei das Laub zusammen, und an diesem Morgen rennt Team Kaleidos mitten durch seinen Haufen. „Sorry!“, ruft Robin, schon im Weiterlaufen. Nur Sam bleibt stehen und winkt. Wie der Mann heißt, weiß keiner von ihnen.

Am Nachmittag springen die sechs in die Stadt der tausend Stimmen. Dort wächst jeder, der angesprochen wird, sogar die summenden Pilze an den Hauswänden. Der Splitter soll beim Wichtigsten Bewohner liegen. Also loben alle den Pfauendrachen Pavonius, der oben auf seinem Balkon im Applaus badet. Nur Thea folgt Sam in eine stille Gasse, wo ein alter Mann einen quietschenden Karren schiebt.

Warum Thea am Ende vor dem ganzen Platz sprechen muss, obwohl sie es hasst, angeschaut zu werden, lest ihr am besten selbst.

Die Stadt der tausend Stimmen in 10 Sekunden · ohne Sprache
Aus Kapitel 2

Eine Szene zum Hineinlesen

Thea und Sam haben Kehrich geholfen, seinen Karren die Gasse hinaufzuschieben. Oben hat Sam eine Idee.

Oben am Ende der Gasse setzte Sam sich auf den Bordstein. „Weißt du was? Ich glaube, DU bist der Wichtigste Bewohner.“

Kehrich schüttelte den Kopf.

„Doch! Komm mit auf den Platz, dann sehen sie dich alle!“ Sam war schon wieder auf den Beinen und zog an seinem Ärmel.

Kehrich trat zurück. Er hielt sich an der Stange fest wie an einem Geländer. „Nein.“

„Sam.“ Thea nahm Sams Hand von dem Ärmel und behielt sie. „Er will nicht.“

„Aber es wäre gut für ihn!“

„Vielleicht. Er will trotzdem nicht.“

Warum, das verstand Thea nicht. Sie ließ es gelten. Sie wusste, wie es ist, wenn niemand hinschaut. Sie wusste auch, wie es ist, wenn plötzlich alle gleichzeitig hinschauen. Das Zweite wünschte sie niemandem, der es sich nicht wünschte.

Weiterlesen: das ganze Kapitel gratis
Thea und Sam begrüßen Anton, den Straßenkehrer, vor der Bäckerei im Herbstlaub.

Der Merksatz aus dem Buch

Kehrich hat sich an die Wand gedrückt, wenn jemand kam. Am Abend stand er mitten in der Gasse und sagte seinen Namen von selbst. Respekt hört man nicht an schönen Worten. Man sieht ihn daran, wie du jemanden behandelst, der anders ist als du, und ob du sein Nein gelten lässt, auch wenn du es nicht verstehst.
Zum Nachdenken: Wann hast du zuletzt etwas für jemanden entschieden, ohne ihn zu fragen? Und wie war es, als jemand das mit dir gemacht hat?
Für Eltern und Großeltern

Wie Kinder Respekt lernen

Respekt lässt sich schwer erklären, aber gut zeigen. Die Stadt der tausend Stimmen zeigt ein paar Dinge, über die man mit Kindern reden kann:

  • Den Namen kennen

    Seit Robin denken kann, kehrt der Mann vor der Bäckerei das Laub. Dass er Anton heißt, erfahren die Kinder erst, als Thea fragt. Wer weiß, wie die Menschen um ihn herum heißen, die Hausmeisterin, der Busfahrer, die Nachbarin, begegnet ihnen anders.

  • Fragen, bevor man hilft

    Thea legt die Hände nicht einfach an den Karren. Sie fragt: „Darf ich mitschieben?“ Hilfe, um die man vorher fragt, ist Respekt. Hilfe, die man einfach übernimmt, kann sich für den anderen anfühlen wie: Du schaffst das nicht.

  • Ein Nein gelten lassen

    Sam will Kehrich auf den Platz holen, weil es gut für ihn wäre. Kehrich will nicht. Thea versteht nicht, warum, und lässt es trotzdem gelten. Das ist für Kinder und Erwachsene einer der schwersten Teile von Respekt und einer der wichtigsten.

  • Schöne Worte reichen nicht

    Zwanzig Minuten lang loben die Kinder den Pfauendrachen, und nichts passiert. Respekt zeigt sich nicht im Kompliment für den Wichtigen, sondern darin, wie man mit dem umgeht, den keiner beachtet.

  • Leise Kinder brauchen Zeit

    Thea hebt in der Schule den Finger nur halb. Für ihre Worte auf dem Platz braucht sie Mut, für das Grüßen am nächsten Morgen zwei Anläufe. Schüchterne Kinder zeigen Respekt oft leise, und das zählt genauso.

  • Ein „Sorry“ im Vorbeilaufen

    Robin ruft „Sorry“, schon im Weiterlaufen. Kinder spüren selbst, wie wenig so ein Wort wiegt. Am nächsten Morgen halten Robin und Frida Schaufel und Sack. Manchmal heißt sich entschuldigen: stehen bleiben und mithelfen.

Nach dem Vorlesen

Fragen zum Weiterreden

Für Jüngere, 8 bis 10

  • Warum hat sich Kehrich an die Wand gedrückt, wenn jemand kam?
  • Thea fragt, bevor sie hilft. Warum ist das wichtig?
  • Sam wollte Kehrich auf den Platz holen. Was war daran lieb, und was nicht?
  • Wen siehst du jeden Tag, ohne zu wissen, wie er heißt?

Für Ältere, 11 bis 14

  • Kehrich sagt Nein, obwohl es „gut für ihn“ wäre. Darf man jemandem etwas Gutes aufdrängen?
  • Warum hat das viele Loben beim Pfauendrachen nichts gebracht?
  • Thea hasst es, angeschaut zu werden, und spricht trotzdem vor allen. Wofür würdest du das tun?
  • Wer wird an deiner Schule oft übersehen? Was würde sich ändern, wenn alle seinen Namen kennen?

Die Frage aus dem Buch: Wann hast du zuletzt etwas für jemanden entschieden, ohne ihn zu fragen? Und wie war es, als jemand das mit dir gemacht hat?

Zum Ausprobieren

Zwei Ideen für zu Hause

  • Die Namensjagd

    Eine Woche lang sammelt ihr Namen: von der Bäckerin, dem Hausmeister, der Frau an der Kasse, dem Busfahrer. Immer zuerst grüßen und nur fragen, wenn der andere gerade Zeit hat. Am Sonntag erzählt jeder, wen er kennengelernt hat und was dabei passiert ist.

  • Darf ich?

    Ein Spiel für zwei: Einer möchte beim Turmbauen oder Malen helfen, aber nur nach der Frage „Darf ich?“. Der andere darf Ja oder Nein sagen, und ein Nein gilt ohne Begründung. Danach wird getauscht. Wie hat sich das Nein angefühlt, und wie das Ja?

Für Schule und Lesegruppe

Eine Stunde in der Stadt der tausend Stimmen

Das Kapitel passt zu Deutsch, Ethik, Religion und sozialem Lernen, etwa ab der 3. Schulstufe. Ein Vorschlag für eine Unterrichtsstunde:

  1. Das Kapitel vorlesen etwa 11 Minuten
  2. Gespräch mit zwei, drei Fragen von oben 15 Minuten
  3. Namenskarte: Jedes Kind schreibt den Namen eines Menschen auf, der an der Schule arbeitet und oft übersehen wird, und überlegt, wie es ihm Guten Tag oder Danke sagen kann 20 Minuten
  4. Zum Schluss den Merksatz gemeinsam lesen 5 Minuten

Ein Unterrichtsblatt zum Ausdrucken ist in Arbeit. Wer das Kapitel mit einer Klasse oder Lesegruppe lesen möchte, schreibt über das Kontaktformular. Zum Kontaktformular

Die ganze Geschichte lesen

Die Stadt der tausend Stimmen ist Kapitel 2 von „Der Herzstern“. Kapitel 1 bis 9 gibt es kostenlos, mit allen Bildern, im Browser oder als E-Book. Kein Abo, keine Kosten.

Gut zu wissen

Häufige Fragen

Wie erkläre ich meinem Kind, was Respekt ist?

Am besten mit einer Geschichte und einem Beispiel aus dem Alltag. In der Stadt der tausend Stimmen sehen Kinder, dass Respekt heißt, jemanden wahrzunehmen, vorher zu fragen und sein Nein gelten zu lassen. Die Fragen auf dieser Seite helfen beim Gespräch danach.

Für welches Alter eignet sich die Geschichte?

Zum Vorlesen ab 8 Jahren, zum Selbstlesen ab 10. Die Gesprächsfragen für Ältere passen auch für 11- bis 14-Jährige.

Muss man Kapitel 1 kennen?

Nein. Jedes Kapitel ist ein abgeschlossenes Abenteuer. Die Stadt der tausend Stimmen ist das erste Abenteuer nach dem Auftakt. Wer vorher Kapitel 1 liest, weiß, woher das Kaleidoskop kommt.

Wo kann ich das ganze Kapitel lesen?

Die Stadt der tausend Stimmen ist Kapitel 2 von „Der Herzstern“. Kapitel 1 bis 9 bekommst du kostenlos im Browser oder als E-Book, wenn du deine E-Mail-Adresse einträgst. Kapitel 1 kannst du sofort auf der Startseite lesen.

Weitere Welten aus Band 1

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